Neue Liebe in späten Jahren

Tafel Suche LebenspartnerWer nicht mehr blutjung ist, hat in Sachen Liebe keine Rosinen mehr im Kopf. Was nichts an der Sehnsucht ändern, (wieder) zu zweit zu sein. Nur sollte man die Zweisamkeit bewusster angehen. Eine harmonische Partnerschaft stärk das körperliche und seelische Wohlbefinden und kann das Leben enorm bereichern.

Umgekehrt belastet eine unglückliche Beziehung. Oft mehr als man sich eingestehen möchte. Immer mehr Menschen befreien sich aus unersprießlichen Zweisamkeiten - nicht selten mit der gleichzeitigen Hoffnung auf eine neue, bessere Liebesbeziehung.

Solche Schritte tun nicht nur junge Menschen. Nach einer Untersuchung von Prof. Insa Fooken, Psychologie an der Universität Siegen, ist der Anteil der Ehescheidungen jenseits der Silberhochzeit innerhalb der letzten sieben Jahre von 9,4 auf mittlerweile 20 Prozent angestiegen. Darunter sind auch Paare, die nach über 50 Jahren aufgeben. Und vielleicht noch einmal neu anfangen wollen.

Was die Partnersuche schwierig macht

In 60% der Fälle reichen Frauen die Scheidung ein. Und das, obwohl vielen von ihnen klar sein dürfte, dass sich eine Frau jenseits der 50 in ein Heer von gleichaltrigen alleinstehenden Geschlechtsgenossinen einreiht, die zwar ganz gut alleine sein können aber mehr oder weniger offenkundig nach einer neuen Liebe suchen.
So schwer kann es doch nicht sein, einen neuen Partner zu finden!? Schließlich befinden wir uns nicht in einer Kriegsgeneration, in der viele Männer fehlen. Außerdem funktioniert die Partnerwahl heute selten nach dem Prinzip "Prinz sucht armes Mädchen", sondern nach dem Motto "Gleich und gleich gesellt sich gern". Wer sich hinsichtlich Herkunft, Bildung, Vermögen und Lebensstil ähnelt, hat es leichter miteinander. Da ist vieles selbstverständlich.

Frauen um die 50 sind die ersten, die dank der Frauenbewegung in den 70ern gesellschaftlich und beruflich als Modernisierungsgewinnerinnen gelten. Sie haben im Vergleich zu Männern aufgeholt, haben eine gute Ausbildung, einen interessanten Beruf, genug eigenes Geld. Doch diese Erfolge helfen Frauen bei der Partnersuche leider wenig. Im Gegenteil. Kaum eine Frau sucht die Beziehung mit einem Mann unter ihrem Bildungsniveau. Damit stehen rein rechnerisch den suchenden Frauen weniger Männer zur Auswahl. Denn was Männer nur selten tun: sich eine Frau mit höherem Einkommen, größerem Sozialprestige und besserer Bildung zu suchen. Männer suchen "auf Augenhöhe" (immer mehr!) oder "nach unten". Sie haben also mehr Wahlmöglichkeiten. Außerdem fällt es ihnen leichter, jüngere Frauen auf sich aufmerksam zu machen.
Akademikerinnen haben es aus diesem Grund besonders schwer. Sind sie über 50, so gelten sie bei Partner-Agenturen als "schwer vermittelbar". Deshalb sei es für Frauen an der Zeit, so der Psychotherapeut Stefan Woinoff (siehe Buchtipp), ihr "Beuteschema" zu überdenken. Auch gesettelte Frauen hätten den archaischen Wunsch nach Sicherheit, als ob sie in der Höhle ihre nachkommen aufziehen müssten. Dabei hätten viele von ihnen finanzielle Möglichkeiten und Sicherheiten, von denen Männer nur träumen könnten.
Was die Sache zusätzlich erschwert: 20% der Männer gelten als unvermittelbar, schenkt man den Aussagen des Wiener Psychologen und "Seminarkabarettisten" Bernhard Ludwig ("Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit") Glauben.

Neue Liebe - woher nehmen?

Wie soll man als reifer Mensch, der weder Lust auf Ü30-Partys hat noch darauf, seine Abende in Bars zu verbringen, eine neue Liebe finden? Fest steht: Zu Hause sitzen und resignierend die Hände in den Schoß legen - das ist der schlechteste Weg. Man muss sich schon auf den Weg machen und auch das Risiko eingehen, nach einem restlos langweiligen Abend frustriert heimzukommen. Wer sich selbst mag und sein Leben auch allein lebenswert findet, wird deshalb nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Es gibt viele Möglichkeiten, andere Menschen kennen zu lernen. In Volkshochschulen, Wandervereinen, Literaturkreisen, bei Single-Reisen oder bei 50plus-Aktivitäten (Infos in Tageszeitungen oder im Internet) bieten sich als Chancen.

Das Internet ist mittlerweile zum Kennenlern-Ort Nummer Eins avanciert. Inzwischen haben Schätzungen zufolge eine Million Paare ihre ersten gemeinsamen Schritte im Internet gemacht. Noch immer verschweigen es die meisten, wenn sie sich im weltweiten Netz gefunden haben und erzählen lieber eine gemeinsam erdachte Version. Denn wenn man schon kaum eingestehen mag, in der Zeitung eine "Heiratsannonce" aufgegeben zu haben, so gilt das erst recht für das Internet. Eine Partnersuche per Mausklick hat nicht nur den Hautgout des Peinlichen, sondern auch noch den Ruch des Unseriösen. Es seien nur "kaputte Typen" unterwegs, hört man und solche, die gebunden sind oder gar grundsätzlich keine Bindung eingehen wollten. Das mag für bestimmte Anbieter solcher Kontakt-Seiten zutreffen, ist aber nicht allgemein gültig. Eher gilt die Devise: Was nichts kostet, ist mit Vorsicht zu genießen.

Bei der Online-Partnersuche geht es modern zu. Frauen tun sich leichter, den ersten Schritt zu wagen. Und lernen etwas, was Männer schon lange lernen mussten: Körbe hinzunehmen. Auch im Internet gibt es Menschen, denen es an Umgangsformen mangelt, und die Mails einfach nicht beantworten. Das tut weh, ist aber auf einer solch unpersönlichen Ebene leichter hinzunehmen als beispielsweise auf einer Party einfach stehen gelassen zu werden. Deshalb sollte man bewusst auf andere zugehen, statt abzuwarten, dass sich etwas ergibt bzw. das maßgeschneiderte Profil unter den Partnervorschlägen auftaucht. Entspinnt sich ein virtueller Kontakt, so sollten bald die Fotos freigegeben werden. Schreibt man sich nur,  entstehen in unglaublicher Intensität Bilder vom anderen. Die Fantasie ist da nicht zu bremsen, und aus dem einfühlsamen, naturverbundenen, gebildeten Unbekannten entsteht ein Mann vom äußeren Format eines Kevin Costner oder eines Sean Connery bzw. eine Frau wie Iris Berben oder Hannelore Elsner. Welche Enttäuschung, wenn das Foto dann ganz anderes zeigt. Denn auch wenn die "inneren Werte" immer wichtiger werden - ist ein Mensch so gar nicht der Typ, in den man sich verliebt, hilf auch "eine schöne Seele" nicht.
Selbst wenn die Fotos gegenseitiges Gefallen finden - entscheidend ist das persönliche Kennenlernen. Nach wenigen Wochen, so raten Experten, sollte es schon so weit sein. Denn bei Körpersprache, Kleidungsstil, Tischmanieren, Gestik, Mimik, Geruch ... auch hier kann es noch unangenehme Überraschungen geben.

Verlieben ja - aber mit Verstand

Es gibt sie! Die turtelnden, Händchen haltenden Pärchen mit Fältchen und silbernen Fäden im Haar. Diese neuen Liebenden unterscheiden sich kaum von den Jugendlieben. Sexualität und vor allem Erotik gelten in den Augen der Gesellschaft zwar noch immer als Privileg der Jüngeren. Doch die erotische Kraft der späten Jahre wird ziemlich unterbewertet und falsch eingeschätzt. Dieses Feuerwerk an Gefühlen möchte man auch noch einmal haben! Dieses Mal wird man es allerdings mit mehr Verstand angehen, das steht fest. Doch was sollte man anders machen? Vor allem: Bloß keine Eile! Auch wenn manche Frauen dazu neigen, vor lauter Torschlusspanik einen Mann schnell festnageln zu wollen. Oder wenn manche Männer, die in ihrem Leben nie länger als vier Wochen ohne weibliche Begleitung waren, ihrer neuen Flamme buchstäblich die Tür einrennen ...

Für die meisten gilt: Verlieben ja, aber nicht um jeden Preis! In den besten Jahren sind Männer wie Frauen längst nicht mehr so flexibel und kompromissbereit wie in früheren Zeiten. Reife schützt allerdings vor Romantik nicht. Nach der Umfrage eines Online-Partnerschaftsvermittlers glaubt jeder zweite Single über 55 Jahren an die große Liebe und immerhin 46 Prozent sind überzeugt davon, dass es die Liebe auf den ersten Blick gibt. Was sich viele nicht klar machen: Sie haben keine oder nur nebulöse Antworten auf die Frage: "Wie will ich mit ihm/mit ihr leben? Die Sehnsucht nach Zweisamkeit muss konkretisiert werden. Familiengründung - in jungen Jahren für fast alle das wichtigste Motiv für die Partnersuche - ist abgeschlossen. Jetzt geht es um andere Fragen. Viele Paartherapeuten wundern sich, wie naiv manche Menchen an Beziehungen herangehen. Sie gehen viel zu schnell eine ein und wundern sich dann, dass es nicht klappt. Wie viel Platz ist in meinem Leben für einen anderen Menschen? Möchte ich zusammen wohnen oder kommt das für mich gar nicht in Frage? Muss der Partner unbedingt in den Verwandten- und Freundeskreis passen? Brauche ich eher einen Menschen, der die Führung in der Zweierbeziehung übernimmt? Oder kann ich es kaum ertragen, wenn ich mich nach anderen Menschen richten muss?

Lore Großhans, systemische Familientherapeutin und Spezialistin für Partnerschafts- und Lebenskrisen, schreibt dazu in ihrem Buch "Für eine neue Liebe ist es nie zu spät": "... aus zwei Liebenden wird nicht automatisch ein glückliches Paar, schon gar nicht auf Dauer. Liebe kann bekanntlich blind machen, zumindest einäugig. Auch noch im sechsten Jahrzehnt des Lebens. Ist wirklich alles geklärt zwischen Ihnen beiden? Ist über alles abschließend gesprochen worden, was eventuelle Streitpunkte vermeidet?"

Lore Großhans gibt Tipps, wie man eventuelle Streitpunkte vermeidet:

  • Haben Sie Ihre Altlasten so geregelt, dass sie einem Neuanfang nicht mehr im Weg stehen?
  • Sind Sie sich wirklich klar geworden über Ihre gemeinsamen Lebensziele?
  • Können Sie damit leben, dass der andere lieber Enkel hütet, während Sie die Koffer packen und die Welt kennen lernen wollen?
  • Werden Ihre unterschiedlichen Auffassungen darüber, wie man mit Geld umgeht, durch gegenseitige Toleranz getragen?
  • Ist Ihre Sexualität erfüllt oder eher so lalá?

Wenn Sie zusammen wohnen wollen:

  • Ist geklärt, wer welche Möbel mitbringt?
  • Haben Sie besprochen, ob und ggf. wann geheiratet werden soll?
  • Gibt es eine sinnvolle und ausgewogene Aufgabenteilung (Haushalt, Garten, Finanzen u.a.)?
  • Können Sie die "Macken" des anderen wirklich auf Dauer ertragen? Wenn sie mit ihrem Schneckentempo den Verkehr aufhält, wenn sie Vorräte hortet als käme bald eine Notzeit oder wenn sie stundenlang mit ihrer Schwester telefoniert ... Wenn er im Freundeskreis nicht den Mund aufbringt, wenn er seine Taschentücher überall deponiert oder wenn er keinen Ehrgeiz entwickelt, wenigstens ein Rührei zu fabrizieren ...
  • Werden Sie es auf Dauer ertragen können, wenn ihre/seine Kinder ziemlich abweisend sein?
  • Können Sie mit ihm/ihr über alles reden, was sie beschäftigt?

Beantworten Sie einen Großteil dieser Fragen mit einem Nein, dann sollten Sie sich mit einer endgültigen Bindung Zeit lassen", rät Lore Großhans. "Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Liebe diese Probleme lösen könnte. Die wird sie nicht lösen. Aber: Sie kann an ungelösten Fragen zugrunde gehen."

Buchtipps:
"Wenn er jünger ist. Vom Glück, einen jüngeren Mann zu lieben", Caroline Rusch, MVG, 15,90 Euro
"Überlisten Sie Ihr Beuteschema: Warum immer mehr Frauen keinen Partner finden - und was sie dagegen tun können", Stefan Woinoff, Mosaik bei Goldmann, 14,95 Euro
"Für eine neue Liebe ist es nie zu spät: Vom Glück, sich wieder zu verlieben", Lore Großhans, Kösel, 14,95 Euro

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