Senioren in der Entwicklungshilfe

Von Claudius Kroker
"Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an ..." Was Udo Jürgens bereits 1977 - also vor 36 Jahren (!) besang, wird für manche Pensionäre und Rentner Wirklichkeit. Denn mit Überschreiten der Altersgrenze lehnen sie sich nicht in ihren Sessel zurück, sondern stellen ihre in jahrzehntelanger Arbeit gesammelte Berufs- und Lebenserfahrung sozialen Organisationen zur Verfügung: als Entwicklungshelfer in Lateinamerika, in Afrika, Nepal und vielen anderen Regionen in der ganzen Welt.

Senior Experten in der Entwicklungshilfe sind keine Seltenheit mehr. Es gibt sogar Entwicklungsdienste, die bevorzugt oder wie der deutsche Senior Experten Service (SES) ausschließlich Menschen einsetzen, die nicht mehr im aktiven Berufsleben stehen. Sie werden unentgeltlich ins In- und Ausland vermittelt, um vor allem in den armen Ländern Afrikas und Lateinamerikas Menschen Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten.

Ein wichtiger Schritt, Lebenserfahrung zu sichern und nutzen. Denn die Männer und Frauen, die sich nach ihrem aktiven Berufsleben für die Einsätze zur Verfügung stellen, bringen einen reichen Erfahrungsschatz mit. Dabei stehen nicht nur beruflich-fachliche Kenntnisse im Vordergrund, sondern auch die menschliche und soziale Kompetenz im Umgang mit Mitarbeitern, Kollegen und Geschäftspartnern.

Wichtig ist dabei, dass Senior Experten ihre Einsätze nicht nur fachlich sorgfältig, sondern auch wirtschaftlich unabhängig wahrnehmen, also nicht von irgendeiner Stelle, einem Entwicklungsdienst oder einem Ministerium oder von einer ausländischen Regierung bezahlt werden. Senior Experten stehen nicht mehr im aktiven Berufsleben, sie sind durch die Rente oder Pension finanziell abgesichert und erhalten für ihre Einsätze bestenfalls ein kleines Taschengeld.

Natürlich gibt es noch weitere Voraussetzungen. So müssen Senior Experten gesundheitlich fit genug sein. Denn einige der Einsätze finden in ländlichen Gebieten Afrikas oder in tropischen Höhenlagen statt, dabei sind die klimatischen Belastungen nicht zu unterschätzen. Außerdem sind Sprachkenntnisse unentbehrlich, denn bis auf wenige Ausnahmen reisen die Senior Entwicklungshelfer in Gebiete, in denen keine Verständigung auf Deutsch möglich ist. Zumindest Englischkenntnisse sollten vorhanden sein, manchmal ist Spanisch auch gefragt. Es gibt aber auch viele Rentnerinnen und Rentner, die gerade im Erlernen einer neuen Sprache eine weitere Herausforderung für ihren Ruhestand sehen.

Senioren statt jüngere Menschen als Entwicklungshelfer einzusetzen, hat oftmals auch einen sehr praktischen Grund: einige der Berufsbilder, für die oft technische Unterstützung gefragt ist und die in ärmeren Ländern und Regionen noch gang und gäbe sind, existieren in Deutschland nicht mehr. Das gilt vor allem für Handwerk und Ingenieurberufe wie zum Beispiel Lederverarbeitung, Kürschnerei und Schuhproduktion, die Arbeit mit Nähmaschinen, Sägewerker sowie Kunststoff- und Gießereiexperten und viele mehr. Berufe, für die in Deutschland schon kaum Nachwuchskräfte gefunden werden. Wie wertvoll ist dann das Know-how der Menschen, die solche Berufe noch kennen.

Von altem Eisen also keine Spur. Wichtig ist es vielmehr auf solche Erfahrungen und das handwerkliche Wissen zu bauen und sie sich auch für kommende Generationen zu nutze zu machen. Udo Jürgens hatte Recht: "Mit 66 Jahren, da kommt man erst in Schuss, mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss."

www.ses-bonn.de

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