Grabmale als Ausdruck von Trauerarbeit

von Claudius Kroker
Die Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen - um den Ehepartner, die Eltern oder gar die eigenen Kinder, um Verwandte, Partner, Freunde - sie ist oft schon Schmerz genug. Dann muss auch noch vieles organisiert und ein Grabstein ausgewählt werden. Einer, der Andenken sein soll für den Menschen, dessen Tod wir ohnehin nur schwer verkraften.

Viele erfahren diese Situation als zusätzliche Belastung. Das muss aber gar nicht sein. Vielmehr kann diese Herausforderung zugleich Teil einer erfolgreichen Trauerarbeit sein. Immer mehr Steinmetze beteiligen die Angehörigen aktiv bei Auswahl, Entwurf und Gestaltung eines Grabmales für den Verstorbenen.

Denn ein individuell gestalteter Grabstein, in den die persönlichen Erinnerungen der Hinterbliebenen einfließen, erzählt viel über den Menschen, dem er gewidmet ist. Er zeugt von den Spuren, die sein Leben hinterlässt. Er bringt die Verbundenheit der Angehörigen, die sich Gedanken über die Gestaltung machen, mit dem Verstorbenen zum Ausdruck.

Die Vielfalt an Grabmalen ist sehr groß. Neben den Objekten, die wir als traditionelle Grabsteine kennen, werden auch eigens künstlerisch gestaltete Steine sowie Naturfelsen angeboten. Die meisten davon kommen aus oftmals über Familiengenerationen etablierten Steinmetz-Betrieben und sind handwerklich gefertigte Unikate - damit sind sie so einmalig wie der Mensch, an den sie erinnern.

Künstlerische Grabsteine werden nach intensiven persönlichen Gesprächen entworfen. Nicht jeder Steinmetz muss auch ein guter Gesprächspartner sein. Solange er den Betroffenen nur zuhört und das Erzählte kreativ umsetzt. Das Ziel solcher eigens angefertigten Steine ist es, den Erinnerungen an einen geliebten Menschen eine ganz persönliche Form zu geben. Einige Steinmetz- und Bildhauer-Werkstätten ermöglichen den Angehörigen sogar beim Entwerfen und bei der Gestaltung des Grabmals selbst mitzuwirken. Auch das ist ein Stück Trauerarbeit.

Manchmal wird es für die Hinterbliebenen aber auch leichter sein, sich nicht so intensiv mit dem Tod und mit der Gestaltung der "Erinnerung in Stein" auseinanderzusetzen. Dann wären solche künstlerische Herausforderungen möglicherweise fehl am Platz. In diesem Fall vertrauen Angehörige auf Rat und Vorschläge erfahrener Steinmetz-Meister, die auf eine große Auswahl so genannter traditioneller Grabsteine zurückgreifen können, also Grabsteine mit meist glatten oder polierten Oberflächen, auf denen Buchstaben, Schriften und Motive angebracht oder mit Werkzeug oder unter hohem Druck eingearbeitet werden.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: auch solche Steine sind Unikate. Selbst wenn der Steinmetz den Stein selbst nicht aus dem Felsen haut und nur in seltenen Fällen sehr grundlegend entwerfen wird. Dennoch ist auch hier kein Stein wie der andere. Farbnuancen, Abweichungen in Ausmaßen und an den Bruchkanten machen Unterschiede aus. Denn auch diese Steine werden passend zu den Menschen gestaltet, deren Andenken sie erhalten.

Ohne Zweifel einmalig ist der so genannte Naturfelsen, denn er wird weder behauen, noch poliert oder anderweitig bearbeitet. Das Andenken an einen Verstorbenen drückt sich vor allem über Farbe, Form und Beschaffenheit des Felsens aus, so wie die Natur ihn geschaffen hat. Dem Gesteinsmaterial kommt deutlich mehr Bedeutung zu als einem gestalterischen-künstlerischen Aspekt. Die Suche nach dem richtigen Stein, der zu einem Verstorbenen passt, kann zeitaufwändig sein - aber auch sehr spannend. Und auch das ist dann Teil einer aktiven und ganz persönlichen Trauerarbeit.

 

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