Was im Leben wirklich zählt - was wir von Sterbenden lernen können

Dr. Gabriel Looser, Sterbebegleitervon Dr. Garbiel Looser, Bern
Die Auseinandersetzung mit der Wahrheit des Sterbens führt uns unweigerlich zu zentralen Fragen nach unserem Leben: Wie lebe ich? Wie kann ich meinen Tagen tatsächlich Leben verleihen?

Sterben ist ein Teil des Lebens, und es gibt Kulturen, zum Beispiel den tibetischen Buddhismus, die das Sterben als die wichtigste Erfahrung für uns Menschen seit der Geburt verstehen.


Sterbebewusstsein bewirkt höhere Wertschätzung des Lebens

Im Moment lebe ich (noch) – also will ich auch wirklich leben, nicht irgendwann in ferner und ungewisser Zukunft, sondern jetzt. So kann ich mit Überzeugung sagen: Das Sterbebewusstsein bewirkt eine höhere Wertschätzung für das Leben.

Fragen tauchen auf: Was ist mir denn wichtig im Leben? Was ist das Wesentliche des Lebens? Der Gedanke an das Sterben regt mich also an, die Wünsche, die ich ans Leben habe, auch tatsächlich zu erfüllen. Es regt mich im weiteren an, darüber nachzudenken, was denn eigentlich der Sinn des Lebens ist; was ist die Lebensaufgabe?

Die Sinnfragen des Lebens

Wichtige Aspekte der Lebensaufgabe scheinen mir zu sein, einerseits geistig zu wachsen, also nicht nur älter, sondern auch gescheiter zu werden, im besten Fall sogar etwas weise. Konkret bedeutet das, mich mit diesen letzten Sinnfragen des Lebens immer wieder auseinander zu setzen. Und andererseits geht es darum, meine Fähigkeiten, wie immer diese konkret aussehen, in irgendeiner Form in den Dienst meiner Mitmenschen zu stellen. Und es sind keineswegs nur soziale oder therapeutische Berufe, die uns dazu befähigen. Auch Menschen mit technischer, wissenschaftlicher, wirtschaftlicher usw. Kompetenz sind befähigt, einen Dienst an der Gesellschaft als ganzer, an ihren Mitmenschen zu leisten.

Auch mein eigenes Wohlergehen ist eine Aufgabe für mich: Je wohler ich mich in meiner Haut fühle, je zufriedener ich mit meinem Leben bin, umso mehr hellt sich meine Ausstrahlung auf, das heisst, es wird den Menschen wohl in meiner Gesellschaft. Wenn ich also so lebe, dass ich mich gut fühle, kann ich gar nicht vermeiden, dass auch andere etwas von dieser meiner Zufriedenheit haben.

Die Auseinandersetzung mit der Wahrheit des Sterbens ist wahrlich eine intensive Lebensschule, das Leben wird bewusster, intensiver, reicher, lustvoller, bunter – in einem Wort: erfüllter.

Über den Autor:
Dr. Gabriel Looser, geb. 1948, ist ausgebildet in christlicher Theologie und humanistischer Psychologie. Er erhielt Insprirationen von tibetischen Lamas, einem Sufi-Meister und anderen Lehrern. Dr. Looser war zwölf Jahre lang in Krankenhäusern und Heimen Seelsorger von Kranken und Sterbenden. Heute ist er selbstständiger Erwachsenenbildner mit eigenem Institut in Bern.

Kontakt zum Autor:
www.institutlooser.ch

 

 

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